Was ist eine BBS?

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Grundlagenwissen BBS / Mailbox

BBS steht für Bulletin Board System, also einem Rechner auf dem Nachrichten ausgetauscht werden können, daher auch der Name Mailbox. Die Verbindung wurde über das Telefonnetz hergestellt indem die BBS auf Telefonnummern mit einem Modem direkt angerufen wurde. Die Nummern erfuhr man meist durch Werbung in anderen Mailboxen, durch lokale Mailboxlisten oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Da die Übertragungsraten immer schneller wurden, kamen mit der Zeit immer mehr Angebote der Mailboxen hinzu. So hatten die meisten Mailboxen nicht nur private und öffentliche Nachrichtenbereiche, sondern auch Download-, Online-Spiele und verschiedene Chat-Bereiche in denen sich die Benutzer online unterhalten konnten.

In einer Mailbox erhielt jeder Benutzer eine Kennung (oft Pseudo oder Handle genannt) unter der seine persönlichen Daten gespeichert wurden und unter der ihn die anderen Benutzer kannten. Als Benutzer konnte man private Nachrichten an andere lokale Benutzer schreiben oder öffentliche Nachrichten an so genannte Bretter (Boards) hängen wo andere sie lesen und darauf antworten konnten.

Auch konnte man Online-Spiele gegen andere Benutzer spielen, Software auf den eigenen Rechner übertragen und sich mit den anderen Benutzern, die auch gerade mit dem Rechner verbunden waren, unterhalten (chatten).

Aus Sicht der Mailbox-Benutzer (der User) war die wichtigste Person in einer Mailbox der Sysop (sprich: "Sühsop", System Operator). Denn er entschied über das wichtigste: den Userlevel und damit über die Zugriffsrechte. Da pro Telefonleitung der Mailbox immer nur ein User eintreten konnte, wurde jedem Benutzer nur eine bestimmte Online-Zeit pro Tag zur Verfügung gestellt. Auch die Anzahl der Anrufe pro Tag wurde in den Zugriffsrechten festgelegt. Als Anreiz für eine aktive Mitarbeit in der Mailbox winkten höhere Userlevel mit weniger Einschränkungen. Zur Arbeitsaufteilung ernannten viele Sysops besonders aktive User zu CoSysops, die mit weitreichenden Rechten ausgestattet waren und so viele Aufgaben in der Mailbox, wie z.B. das Aufräumen der Nachrichtenbereiche, das Verbessern von Datei-Beschreibungen oder die Pflege der Benutzerdaten, erledigen konnten. Der CoSysop-Status war somit etwas ganz besonders und heiß begehrt, wenn er auch manchmal mit einiger Arbeit verbunden war.  

Die Faszination einer Mailbox lag in der Fülle der Kontakte, die man durch sie knüpfen konnte und von denen viel Neues zu erfahren war. Man lernte Menschen kennen, mit denen man sonst nie in Kontakt gekommen wäre und die im Unterschied zum Internet-Chat auch in der Nähe gewohnten, da Ferngespräche damals noch sehr teuer waren.

Wegen der räumlichen Nähe der User kamen auch ab und zu Usertreffen (sog. UTs, sprich: "UhhTees") zustande. Diese Veranstaltungen hatten immer etwas besonders, da man nun die Vorstellungen über seine Mailbox-Kollegen meist völlig über den Haufen werfen musste. Da man sich ja nur aus der Mailbox kannte wurden meist Namenschilder (häufig auch beschriftete Diskettenaufkleber) mit den Pseudos getragen, um die Kontaktaufnahme zu erleichtern.

Diese Eigenschaften machten eine Mailbox zu einem virtueller Treffpunkt an den man sich zu jeder Zeit (naja, wenn eine Leitung frei war) begeben konnte, um sich mit netten Leuten zu unterhalten, Informationen und Software auszutauschen und Spass zu haben.