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Einige Mailbox-Benutzer verstehen es, den geplagten Sys-Op manchmal schier zur Verzweiflung zu treiben und am eigenen Verstand zweifeln lassen. Ein Vertreter dieser Gattung ist...

... der Schuechterne

Die Tatsache, dass nach vielen erfolglosen Waehlversuchen nun doch endlich der ersehnte Datenton aus dem Hoerer schallt, verstoert ihn voellig, und er legt sicherheitshalber sofort wieder auf, ohne auch nur den Versuch zu machen, ein Datengespraech zu beginnen. Viele Leute, die diesem Typus entsprechen, verkaufen ihren Akustikkoppler sofort nach diesem unerfreulichen Erlebnis, damit sie nie wieder in so eine peinliche Lage geraten koennen. Diejenigen, die es fertigbringen, trotzdem weitere Versuche mit Mailboxen zu unternehmen, tasten sich Bit fuer Bit weiter in den Datendschungel vor, der Sys-Op erkennt sie spaeter daran, da sie immer noch voellig unmotiviert die Verbindung unterbrechen, weil irgendeine Reaktion der Mailbox sie voellig verstoert hat. Dabei kann es sich um eine schlichte Fehlermeldung handeln oder aber auch um die Tatsache, da die Mailbox genau das macht, was man ihr gesagt hat. Mit anderen Worten:
Jedes einzelne Zeichen, das die Box sendet, kann fuer den Schuechternen Anlass sein, kommentarlos aufzulegen. Ein direkter Verwandter der Schuechternen ist...

... der Skeptiker

Er glaubt einfach nicht, dass eine Mailbox so einfach sein kann, wie sie sich ihm am Bildschirm darbietet. Folgerichtig probiert er das,

was die Mailbox ihm vorschlaegt, gar nicht erst aus; falls doch, so besteht er darauf, seine eigenen Vorstellungen einzubringen und erweitert die Befehle um eigene Eingebungen, mit dem Erfolg, dass entweder gar nichts passiert oder aber etwas ganz anderes als das, was er wollte. Hat er sich so ein ausreichendes Mass an Frust erworben, beendet er die Verbindung mit dem vorgesehenen Befehl, nur um sich selbst zu beweisen, dass er so bloed nun auch wieder nicht ist. Eine ansteckende Nebenform des Skeptikers ist...

... der Ueberflieger

Er hat erstens ohnehin keine Zeit, ausgerechnet in dieser Mailbox anzurufen, zweitens kennt er andere Mailboxen schon seit Jahren, und drittens weiss er ohnehin alles besser als der Sys-Op. Er ignoriert alle Systemmeldungen voellig und zieht seine eigene Show ab, egal, ob was dabei rauskomme oder nicht. Fehlermeldungen verursachen lediglich Achselzucken, gefolgt von nochmaliger Eingabe der falschen Kommandos. Interessanterweise kennt der Ueberflieger genau die Befehle, mit denen man Schmaehbriefe an den Sys-Op sendet, loescht seine Texte aber meistens wieder, bevor er das System verlaesst. Er benutzt dazu grundsaetzlich den Befehl Logoff, Weil er das mal so gelernt hat, und legt dann auf, ohne abzuwarten, ob das tatsaechlich der richtige Befehl war. Die weitaus meisten Vertreter dieser Spezies sind selber Sys-Op oder waren es einmal. Aehnlich verhaelt sich auch...

... der Forscher

Auch ihn interessieren die funktionierenden Befehle der Box ueberhaupt nicht, er verwendet statt dessen viel lieber seine Phantasie auf die Erfindung neuer Befehle und fuehrt minutioese Aufzeichnungen darueber. Er hat ein umfangreiches angelesenes Wissen aus Computerzeitschriften und wendet dieses erbarmungslos auf alle Mailboxen an, die er in die Finger kriegt. Als extrem stoerend empfindet er es, wenn einer seiner Befehle tatsaechlich einmal zu einem sinnvollen Ergebnis fuehrt, meist reagiert er dann wie der Schuechterne und legt einfach auf. Ganz anders dagegen...

... der Computerlegastheniker

Er wuerde nichts lieber sehen, als dass die Mailbox nur ein einziges Mal das tun wuerde, was er will. Aber leider kann er die Befehle nie in der richtigen Form eingeben. Seine bedeutendste Geistesleistung besteht darin, seitenweise Erklaerungen zur Boxbedienung zu lesen, ohne deren Inhalt auch nur annaehernd zu erfassen. Eine Zeichenfolge, die einmal sein Auge passiert hat, verdampft rueckstandslos in den oeden Koridoren seiner Ganglien. Er hat irgendwo mal gelesen, dass man in Mailboxen mit dem Befehl Help weiterkommt, und gibt diesen folgerichtig immer wieder ein, wobei es ihm gar nicht zu Bewutsein kommt, dass die Mailbox ihm staendig erklaert, dass er doch das deutsche Wort Hilfe benutzen moege. Immerhin zwingt das Verhalten solcher User den Betreiber einer Mailbox, staendig darueber nachzudenken, wie die Benutzerfuehrung idiotensicher gemacht werden kann. Anderenfalls waere die Mailbox einer anderen Gruppe hilflos ausgeliefert. Hauptvertreter dieser Gruppe ist...

... der Schmierer

Er kennt sich in der Bedienung der verschiedensten Mailboxsysteme bestens aus, zumindest weiss er, wie er mit seinen geistigen Erguessen ein moeglichst breites Publikum erreicht. Die Nachrichten, die er hinterlaesst, sind entweder voellig inhaltslos oder dienen ausschliesslich der Selbstdarstellung und der Beschimpfung anderer Benutzer. Treffen in einer Mailbox mehrere Schmierer aufeinander, so ist die Vorstellung gelaufen, und Megabyte auf Megabyte verschwindet zu Lasten sinnloser Nachrichten, bis das ganze System zugemuellt ist. Es gibt Boxen, die dieses Stadium schon lange erreicht haben, ohne dass es bemerkt wurde. Der andere Hauptvertreter ist...

... der Hacker

Eigentlich ist er kein wirklicher Hacker, sondern lediglich eine Person mit destruktivem Charakter. Von Hackerethik hat er noch nie gehoert und schoepft sein Wissen aus den halbseidenen Publikationen. Da sein angelesenes Wissen nicht ausreicht, um in grossen Systemen taetig zu werden, beschraenkt er sich darauf, in den lokalen Mailboxen Unsinn zu machen. Seine Kenntnisse von Software und Hardware beschraenken sich auf das, was er vom Hoerensagen her kennt, dementsprechend laecherlich nehmen sich auch seine Versuche aus, die Mailbox zum Absturz zu bringen. Er hat immer noch nicht begriffen, dass seine Aktionen letztendlich gegen ihn selbst gerichtet sind, denn wenn seine Strategie erfolgreich sein koennte, wuerde er sich selbst jeder Moeglichkeit berauben, im globalen Dorf mitzumischen. Ein halbwegs fehlerfreies Mailboxprogramm und wirksame Zugangsbeschraenkungen befreien den gestressten Sys-Op recht wirkungsvoll von diesen unangenehmen Zeitgenossen und sorgen fuer erfrischende Ruhe im System, ohne der spontanitaet Abbruch zu tun. Man sollte nun meinen, dass die uebrigen Mailboxbenutzer in aller Ruhe mit dem System arbeiten, ohne den Sys-Op in den fruehen Wahnsinn zu treiben. Aber auch unter den allseits geschaetzten serioesen Benutzern gibt es welche, deren Ansprueche den Sys-Op auf die Zimmerpalme schiessen. Da ist zum Beispiel...

... der Vollprofi

Er hat seine Erfahrungen auf kommerziellen Mailboxen gesammelt und uebertraegt sie nun weitgehend unreflektiert auf private Systeme. Wenn er nicht auf Anhieb eine Verbindung zustandebringt, verzieht er sich in seinen Schmollwinkel und hadert mit sich, der Box und Gott und der Welt. Er benutzt vorzugsweise die Befehle, die er von der kommerziellen Box gewoehnt ist, und registriert meistens nicht einmal, wenn die Mailbox etwas ganz anderes macht. Als Ausgleich fuer den durchlebten Frust ueberschuettet er den Sys-Op mit Forderungen, was alles am Programm wie zu aendern sei. Ungluecklicherweise hat der Vollprofi meistens ausgezeichnete Kenntnisse gaengiger Mailboxkonzepte und Programmiersprachen, so dass seine Vorschlaege meist peinlich detailliert ausfallen. Bei Sys-Ops, die nur aus moralischer Not das Programmieren gelernt haben, kann dies durchaus Ausloeser fuer Suizidversuche sein. Etwas harmloser ist da schon...

... der Semiprofi

Er ist sich der Tatsache durchaus bewusst, dass er es mit einem unzulaenglichen System zu tun hat, er waere auch bereit, mit den Maengeln zu leben, wenn man nur dieses und jenes eventuell, wenn es nicht zuviel Muehe macht und wenn es die Zeit erlaubt, in dieser und jener Hinsicht aendern koennte. Er wiederholt diese Idee sooft, bis der Sys-Op entnervt aufgibt und zumindest etwas aehnliches programmiert, weil er genau das schon seit langem machen wollte.
Als Betreiber einer Mailbox steht man diesen Ungereimtheiten im Benutzerverhalten einigermassen hilflos gegenueber. Wenn man seine Mailbox eben erst eroeffnet hat und sehnsuechtig darauf wartet, dass sich etwas tut, ist man bereit, um jeden User zu kaempfen. Jede Kritik, die ausgesprochen wird, trifft mitten ins Herz, und man setzt Himmel und Hoelle in Bewegung, um aus dem Programm das herauszukitzeln, was die Benutzer wuenschen. Mit wachsender Erfahrung und steigender Frequentierung der Mailbox wird man meist ruhiger. Doch irgendwann steht der Betreiber vor einer Entscheidung, die je nach Temperament anders ausfallen kann. Einige geben ganz auf, motten ihren Compurer ein, nur um ihn nach mehr oder weniger langer Zeit wieder hervorzukramen und sich erneut ins Leben des globalen Dorfes zu stuerzen, entweder um endlich, endlich konstruktiv an den eigenen Utopien weiterzubauen oder aber um sich mit Elan in eine fremde Mailbox zu stuerzen und dort hingebungsvoll all die Befehle zu probieren, die man bei anderen belaechelt hat. Andere machen einfach weiter, ungeachtet dessen, was in der Welt um sie herum geschieht. Diese Mailboxen erkennt man daran, da sie voellig abgeschottet von der technischen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung ueber Jahre hinaus vor sich hin existieren. Wieder andere erarbeiten sich eine dicke Hornhaut und ziehen ihre Vorstellungen durch, allein oder in Zusammenarbeit mit anderen entwickeln sie die technischen und inhaltlichen Moeglichkeiten dieses faszinierenden Mediuns weiter......